Der 8.Schöpfungstag

Katalog mit allen Kunstwerken
Künstler sagen ihre Meinung
Bider - Texte - Lesungen - Installationen
Eine Wanderausstellung zum Thema "Gentechnik"
 
"Seit den Achtzigerjahren wird die Gentechnik in Deutschland besonders kontrovers diskutiert. Unbestritten und segenreich sind die Erfolge bei gentechnisch hergestellten Medikamenten. Aktuell konzentriert sich jedoch der Widerstand auf die Stammzellenforschung und gentechnisch veränderte Pflanzen."  (aus dem Katalog)
 
 
Ins Leben gerufen wurde der "8. Schöpfungstag":
von der Ateliergemeinschaft Ilse Müller-Reese und Dirk Paul Utermann und
vom Förderverein der ev. Kirche St. Laurentius aktiv e.V. Schwarmstedt Hasso Seidel

Warum ich dabei bin

Als ich von Paul und Hasso Seidel angesprochen wurde, ob ich bei dem Projekt "Der 8. Schöpfungstag" mitmachen will, hatte ich zuerst meine Vorbehalte. Das der Mensch in die Natur gentechnisch eingreift, hat für mich als Atheistin keinen religiösen Aspekt, sondern ist eine Frage der Ethik.
Nachdem ich meine Einstellung zur Kirche darstellte und mich die Initiatoren trotzdem dabei haben wollten, recherchierte ich über die Genforschung.
Das Thema begann mir Angst zu machen, fassungslos begriff ich, wie skrupellose Firmen aus reiner Profitgier Lebensmittel gentechnisch manipulieren, ohne an mögliche Konsequenzen für nachfolgende Generationen zu denken und gleichzeitig erkannte ich, wie wertvoll die Genforschung für die medizinische Entwicklung ist. Je mehr ich erfuhr, desto mehr wollte ich meine Erkenntnisse und Befürchtungen in meinen Bildern zum Ausdruck bringen:
 
 
"Was kann ich noch essen?"  2010 
Acryl auf Leinwand  80cm x 100cm

Dieses Bild stellt die menschliche Angst vor der Zukunft mit genmanipuliertem Lebensmitteln dar. Der aus der Bananenschale entwachsende Mais steht als Symbol dafür, die unsichtbare Gefahr sichtbar zu machen. Die Darstellung der schwangeren Frau wurde kontrovers diskutiert, unterlag der Zensur der Initiatoren und wurde auf einer Ausstellung, trotz des Protestes anderer teilnehmender Künstler, verboten und nicht gezeigt.

 

"Das Genie"  2010 
Acryl auf Leinwand  80cm x 100cm 

stellt meine Bewunderung für die Forscher dar. Sie müssen Genies sein, um auf solche Ideen zu kommen. Wie Wülste wachsen die Ideen und Gedanken aus ihren Köpfen. Sie können nicht anders, als ihrem Drang nachzugehen, ihre Ideen auszuprobieren. Sie befinden sich in ihrer eigenen Welt und sind in sich gefangen.

Ausstellungseröffnung vom 28.Mai 2010 in Schwarmstedt

Dr. Julia Helmke & Hasso Seidel
von
Dr. Julia Helmke
Beauftragte für Kunst und Kultur
Haus kirchlicher Dienste der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

(...), da bin ich einmal gespannt, wie Sie das künstlerisch umsetzen und rasterte auch mein Bildgedächtnis nach Bildern, die ich zu dem Thema kenne, die ich damit verbinden kann und das waren erst einmal nicht sehr viele, auch weil die explizite und eindeutige Umsetzung eines spezifischen und so komplexen naturwissenschaftlich-ethischenThemas dem schöpferischen Prozess von Kunst nicht immer entspricht (...)

Tour d´horizon der Künstler/innen

Moshe Harel

So beginne ich eine kleine tour d’horizon:

Moshe Harel
Der sich bewusst und direkt mit dem biblischen Schöpfungsgedanken auseinandersetzt, mit dem Beginn der Tora, mit seinen beiden Werken vom Beginn und Ende der Schöpfung.
Gott schafft mit Worten am Anfang die Welt. Im Werk „Am Ende der Schöpfung“ finden sich keine Worte, keine Buchstaben mehr. Sind wir sprachlos, ist Gott am Ende wortlos oder brauchen wir keine menschlichen Worte mehr, da schon alles aus göttlicher Perspektive gesagt ist? Der Künstler nimmt das Ganze mit in den Blick. Die Schöpfung ist ohne Ende, sie ist gefüllt mit Gottes Liebe.
Ilse Müller-Reese
 
Ilse Müller-Reese
Die Freude am Schöpferischen, die sich gerade im Spiel mit den Farben zeigt, das ist ihr Ausgangspunkt. Ihre Bilder gehen von der Bedrohtheit dieser wunderbaren farben-frohen Schöpfung aus. Von einer Schöpfung, die leben will und sich befreien und nicht in den Tod stürzen und die zeigt, dass wir Menschen nicht leben können ohne die Schöpfung um uns herum.
Hildegard Strutz
 
Hildegard Strutz
Sie zählt konsequent weiter, dies zeigt damit einen menschlichen Wesenszug, den Forscherdrang, aber auch die Sehnsucht, die zur Sucht werden kann, alles zu dirigieren, alles beherrschen zu wollen und so gibt es nicht nur den 8., sondern auch den 9.- bis zum 12. Schöpfungstag (die 12 wiederum als biblische Zahl der Komplettheit). In ihrer Beschreibung dazu schreibt sie: „..., dass einer kommen muss“, am 11. Tag, „damit es weitergehen kann“. Sie lässt offen, wer oder was das ist. Gott? Eine Öko-Diktatur? Und grundsätzlich die Frage: Kann das vom Menschen kommen, ein neuer Anfang? Und muss ggf. erst jemand alles zerstören, um wieder neu anzufangen?
 
Herbert Müller
Arche im Eis eingeschlossen – er zeigt uns ganz sinnlich, was die Anmaßung des Menschen zum Schöpfer zu werden, anrichtet. Wenn wir denken: Wir müssen alles neu schöpfen, selbst zum Schöpfer des Menschen werden, dann ist das ebenso eine Anmaßung, wie die unmögliche Last (und zugleich große Sehnsucht, sich selbst erlösen zu müssen), dann erlischt alles kreative, alles Leben, dann erstarrt die Erde und dann .... Das ist auch seine Warnung, dann gibt es keine alte und keine neue Arche. Das ist die Frage der Irreversibilität, die sich einige der Bilder mit vollem Ernst stellen, die es sehr ernstzunehmen gilt. 
Herbert Müller hat sich in seinen Arbeiten immer wieder auch die Frage von Erinnerung gestellt, einem Lernen aus der Geschichte, der Blick zurück, um nach vorne gehen zu können.
Ich denke auch, dass der Blick in die biblische Schöpfungsgeschichte, Gottes Geschichte mit den Menschen seitdem und bis heute, Jesu Umgang mit den Menschen seiner Zeit, seine liebende Annahme der Menschen, hilfreich und wichtig sein kann, wenn es um die Herausforderungen unserer Zeit geht. 
 
Dr. Sommer
 
Der Frage von Erinnerung im gesellschaftlich-politischen Kontext widmet sich Siegfried Sommer mit seiner video-biographischen Dokumentation „Werner van der Walde: Emden ist in unserer Erinnerung immer noch lebendig“. Auch dies gehört zum Thema „Der 8. Schöpfungstag“: Was Menschen Menschen angetan haben, im Sinne von Machtbesessenheit und Ideologie, die bestehenden Schöpfungswillen zerstören, um selbst zum Schöpfer der Welt werden zu wollen.
Frau Siedenstein-Brewig
 
Was ist der Mensch noch, wenn er begonnen hat, den Menschen zu verändern und neu zu schaffen? Ob er sich dann noch selbst erkennt, das zeigen für mich die Bilder von Frau Sidenstein-Berwig, in ihren Collagen. Künstlerisch spannt sie einen weiten Bogen von dem so eindrucksvollen, mahnenden wie ermunternden humanistischen Gebet der Nationen (Erbe der zerbrochenen Schrifttafeln) zur Hölle aus Wesen, die nicht mehr Menschen sind und doch noch wohl noch als solche erkennbar. Wir sind uns unserer selbst nicht mehr sicher..,
Paul
 
Paul Utermann
Der Künstler arbeitet expressiv mit Farben. Es sind emotionale Arbeiten, wie er selbst sagt und das Bild der Bohrtürme, die uns wie fleischfressende Pflanzen, menschen- und naturfressende Pflanzen angrinsen, ist höchst aktuell (statt Esso vielleicht BP). Eines der schönsten Schöpfungsgaben auf dieser Welt mit einer zwecklosen Schönheit sind Blumen. Sie sind Zeichen von Liebe und Zuneigung für Menschen und diese Bilder sind hier konterkariert mit sterbenden Tieren, mit verseuchter Luft, mit all dem, was wir uns und anderen antun.
Kathrin Greube
 
Die scheinbare Schönheit und Faszination und zugleich die abgrundtiefe Bedrohung der Schönheit unserer Schöpfung nehmen für mich vor allem die drei Künstler/innen Kathrin Greube, Daniel Jellin und Dagmar Tille in den Blick.
 
Kathrin Greube zeigt uns ihre Faszination für die denkerische Leistung von Forschern und weist zugleich auf die Grenzen des Denkens hin, ihr künstlerisch beeindruckendes Werk, „Was können wir noch essen“ bringt es auf den Punkt: Ist eine Banane noch eine Banane?
 
 
Daniel Jellin zeichnet Irrwege, Wegmarken, einen bunten Kosmos einer Welt, die Soja-Rumba tanzt oder sich betrunken tanzt von all den Möglichkeiten, die gentechnisch verändertes Soja ermöglicht und dabei jedes Maß und Ziel verliert, Dagmar Tille präsentiert uns ein wunderschönes Stilleben, mit Glow-Fish zum Abendessen. Der Glow-Fish als Motiv und Symbol gentechnisch veränderter Lebewesen…. Begleitet von der düsteren Ahnung vielleicht selbst nach dem Verzehr einer solchen Fisch-Suppe als lebende Glühwürmchen durch die Lande zu schreiten.
Monika Treichel
 
Monica Treichel
Sie arbeitet stark mit Farben und mit Assoziationen, die unsere Alltagswelt mit der biblischen Gedankenwelt verbinden. Die gefrorenen Rosen, das Klappsofa mit dem, was wir sind, mit dem, was unser Lebensmuster ist: wann klappt das zusammen, was bleibt bestehen, was nicht, was ist sichtbar, was unsichtbar, was wird einst offenbar, was wollen wir selbst, das offenbar wird. Sie schreibt: Ich bin gegen den 8. Schöpfungstag, als einem Tag, der das Leben und Tod aus dem Gleichgewicht bringt, der nicht menschlich, nicht schöpfungsgemäß ist (meine Beobachtungen). Ich bin gegen den 8. Schöpfungstag, das ist auch eine starke Aussage.
Heinrich Thies
 
Einen anderen Zugang wählt Heinrich Thies, der in seinem Gedicht „Musik der Dämmerung“ mit dem achten Schöpfungstag schließt. Für ihn, so nehme ich das wahr, ist der 8. Schöpfungstag nicht der Eingriff in die Natur, in die göttliche Schöpfung. Es ist der Wiederbeginn der gottgewollten Schöpfung, an den es sich zu erinnern gilt, den es auch gegen die laute selbstgeschaffene Welt, in der wir leben, wieder ins Bewusstsein zu rufen gilt, etwas, was uns die Himmelsboten mit ihrem Gesang, ihren Farben jeden Abend und Morgen neu zurufen wollen.
Den Segen Gottes, und damit möchte ich schließen, den Gott am 7. Schöpfungstag ausspricht und den er nach der Sintflut mit seinem Bund und immer wieder in der Urgeschichte und durch seine Geschichte mit den Menschen erneuert nimmt Frau x-Steinwede mit ihrem Wandateppich auf: Et in terra pax .... als Wunsch und als Hoffnung.
 
So möchte ich auch schließen: 
Ihre Bilder, sehr verehrte Künstlerinnen und Künstler lassen uns sehen, machen sichtbar und sind eine Wegmarke auf dem Schöpfungsweg, den wir miteinander gehen seit Erschaffung dieser Welt. Mögen wir uns mit Jesaja 45,18 erinnern: Gott will das Leben der Schöpfung. Er will die Erde als Wohnort für das Leben, nicht als Wüste.
 
Herzlichen Dank.