"GreubeArt trifft LebensArt " in Gifhorn

Vom 25.11.2012 bis zum 20.01.2013 können die Werke, zu den Öffnungszeiten von "LebensArt", betrachtet werden.

LebensArt:
Marijke van der Sanden
Steinweg 27
in Gifhorn
Öffnungszeiten:
Mo bis Fr  9.30 - 18.30 Uhr
Sa  9.00 - 16.30 Uhr
 
 

Laudatio von Mathias Diestel

Greubeart trifft Lebensart. Farben Formen Fantasien. Das Motto dieser Ausstellung schlägt eine Brücke von der Welt der Mode zur Malerei und bezeichnet die Gemeinsamkeiten der Schaffensbereiche von Mareijke van der Sanden und Kathrin Greube, nämlich  Farbe in den grauen Alltag zu bringen. In immer neuen Formen, kreiert mit viel  Fantasie.

Solcherart  artverwandt, ist  also  die  Machart dieserart von  Ausstellung, zu der ich Euch, liebe Besucher und Freunde aller Arten, man könnte sogar sagen, liebe Artgenossen, derart artig und recht herzlich begrüße.

Der alte Spruch Nomen est Omen, bewahrheitete sich einmal mehr, als Du,  liebe Kathrin, in Oldenburg das Licht der Welt erblicktest. Denn, und das ist ein offenes Geheimnis, Dein Mädchenname lautet  Kreier. Ein Name, der, wenn man ihn nur eine Nuance anders betont, zu kre ier wird. Und wie wir  alle wissen, ist Kre-ier der Imperativ von Kreieren. Mit anderen Worten: Du konntest gar nicht anders….  

Kreier / Kre-ier steht also wegweisend für das, was Du seit Kindheitstagen mit Begeisterung verfolgst:  Durch das Malen etwas zu schaffen, zu erschaffen, zu kreieren um damit deine Gedanken, Meinungen und vor allem Deine  Gefühle zu visualisieren. Du hast Dir den Umgang mit Pinsel und Farben selbst angeeignet, Dich weiterentwickelt und verbessert  und dabei stets Deine Linie verfolgt.

Der bekannte Regisseur Francois Truffaut hat einmal gesagt: Man kann niemanden überholen, wenn man in seine Fußstapfen tritt.

Und genau das trifft auf Dich zu,  liebe Kathrin. Du verehrst den Künstler Gerhard Richter mit allen seinen Werken, eiferst ihm aber nicht nach.  Du hast nie einer bestimmten Schule angehört oder Dich durch ein Kunststudium stilistisch verbiegen lassen, sondern bist immer Deiner eigenen Richtung treu geblieben.

Exemplarisch für Deinen Willen und Deine Unbeugsamkeit steht eine Geschichte aus Deiner Schulzeit. Du hattest  als 12 jähriges Mädchen Dein Zimmer selbst farblich gestaltet  und es in blauer Farbe gestrichen. Aber Deine  Lehrer  aus der  Waldorfschule  überzeugten Deine Mutter davon, daß eine gelbe Raumfarbe besser zu Deiner Persönlichkeit und  Deiner künftiger Entwicklung passen würde. Sie renovierten also Dein Zimmer und strichen es gelb. Du hast diese Aktion klaglos und ohne einen Mucks hingenommen, Dir allerdings danach blaue Farbe besorgt und das Zimmer  wieder re- renoviert.

Mit Beharrlichkeit hast Du seit Kindertagen an Dir gearbeitet und für Dich einen Leitsatz geschaffen, der da lautet:  Malen ist für mich eine ständige Entwicklung und bei jedem Bild lerne ich dazu.

Der große Durchbruch gelang Dir 1999 mit Deiner ersten Ausstellung in Oldenburg unter dem Titel "Frauen ver-rückt": Bis auf 2 der acht ausgestellten Bilder wurden alle Gemälde verkauft. Das war eine der bedeutendsten Erfahrungen Deines Lebens, eine Bestätigung deiner Arbeit, denn es war das erste Mal, dass Du für Deine Bilder einen monetären Gegenwert bekommen hast.

Doch das schönste Erlebnis, so hast Du es mir anvertraut, folgte ein Jahr später: Es war der magische Moment, als Dein Sohn Tim nach der Geburt in Deinen Armen lag und ihr euch in die Augen blicktet.

Nach Tims Geburt legtest Du eine dreijährige Schaffenspause ein. Dann  folgten viele weitere Einzel- und Gesamtausstellungen, deren Chronologie, ebenso wie die Bilder, sich Interessierte auf Deiner Webseite  „www.greubeart.de“  anschauen können. Besonders erwähnenswert ist die Wanderausstellung mit dem Titel „Der 8. Schöpfungstag“, eine Ausstellung zum  kontrovers diskutierten Thema  Genmanipulation und bei der Deine Exponate über 2 Jahre durch Deutschland und letztendlich bis nach Kaliningrad ins Deutsch-russische Haus reisten.

Doch nicht nur Deine Bilder begaben sich an andere Orte, auch Du bist eine Freundin des Reisens. Dabei zieht es Dich nicht in den kühlen Norden, sondern ganz Deinem offenen und strahlenden Wesen entsprechend in den sonnigen Süden. Ob das Ziel  Karibik, Italien oder Frankreich lautet oder es Dich wie in diesem Jahr nach Griechenland verschlägt, Du genießt den Sonnenschein und das glitzernde Meer. Wenn dann auch noch – wie in Lentas – Du nackt am Strand liegen, spazieren und in der weite des Meeres schwimmen kannst und ein Gefühl der Freiheit verspürst, erhält deine Kreativität einen Extra-Schub.

Wenn ich an unseren Urlaub in Lentas denke, erinnere ich mich an den leckeren Bananen-Schoko-Pfannkuchen, den wir uns im Disco-Cafe bei Maria teilten. Nach dem Essen hast Du aus den Schokoladencremeresten mit einer Gabel  wunderschöne Portraits auf dem Teller gezaubert, die alle Gäste und Maria sehr beeindruckt haben.

Doch nicht nur die beeindruckende Tellerkunst war es, sondern auch Dein gewinnendes, offenes Wesen, Deine Empathie und Dein Charme sind es, mit dem Du viele liebe nette Menschen für Deine Kunst interessiert und als Freunde und Bewunderer gewonnen hast.

Dieses Publikum, mit Deinen  Verwandten, den alten und neuen Bekannten, die sich hier versammelt haben, ist der klare Beweis dafür und ich sehe, wie sehr es Dich freut, das viele Lentasianer den Weg hierher gefunden haben.

Auch Heinz Paeger, den ich seit vielen Jahren als eloquenten, niveau- und vertrauensvollen Menschen aus Lentas kenne, war von Deiner Kunst auf Anhieb begeistert. Mit zielsicherem Gespür ahnte er, dass die Idee und Philosophie von Lebensart mit  der von Greubeart  harmonieren würde. Kurz darauf  wurden in der Ideenschmiede Taverna Odysseas die ersten Schritte eines gemeinsamen Projektes skizziert, ein Projekt, was heute hier in Mareijke van der Sandens  Geschäft „Lebensart“ seine Premiere feiert und das durch das großartige und großzügige Engagement von Heinz und Mareijke ermöglicht worden ist.

Die Bilder, die ab heute  bis zum 20.1. nächsten Jahres bewundert und im übrigen auch gekauft werden dürfen, entstanden zwischen den Jahren 2007 und 2012.  Sie sind, liebe Kathrin, eine Präsentation der Vielfältigkeit der von Dir verwendeten Stile und Maltechniken.

Die Palette Deines Könnens reicht vom Abmalen eines Fotos bis hin zum  Entstehen eines Gemäldes während des Malens ohne irgendwelche Vorskizzen. Du benutzt für Deine Kompositionen sowohl Deine Finger als Malwerkzeug, als auch Pinsel oder Spachtel, um Deine Gefühle, Träume und Fantasien mit Acrylfarbe oder mit Wachspastellstiften virtuos umzusetzen.

Dass Dir die Künste im Blut liegen und Du von der Muse mehrfach geküsst wurdest,  beweist auch Dein Talent für Musik und Gesang. In Deiner Kindheit spieltest Du Geige, Flöte und Klavier, in Eurer Familie wurde oft gemeinsam gesungen. Aktuell rockst Du in der Frauenband „Hexenschuss“ als Bassistin und findest neben GreubeArt auch hier die richtige Tonart. Daher freut es Dich besonders, dass unser lieber Freund, der Rock- und Bluesmusiker und Liedermacher Rainhard Gampe  aus München angereist ist. Er sorgt heute für die musikalische Untermalung und präsentiert in einem exklusiven Konzert Lieder aus seinem Repertoire, die er passend zu Deinen Bildern herausgesucht hat. Das Ganze natürlich unplugged.

Liebe Kathrin, da Du über eine große schöpferische Kraft verfügst, hätten alle Deine Werke hier nicht ausgestellt werden können. Daher stellst Du uns heute eine  erlesene Auswahl aus Deinem reichhaltigen  Fundus vor. Die Bilder dieser Ausstellung sind in drei große Kategorien eingeteilt. Zur ersten gehören die abstrakten Gemälde, allesamt ohne Titel, zur Zweiten die Serien  Häuser und Straßenengel und zur Dritten die Rubrik mit der Überschrift Menschen.

Das Markenzeichen aller deiner Exponate sind die leuchtenden Farben. Dabei besitzt Du keine Lieblingsfarbe, alle Farben sind gleich stark vertreten. Zwar finden bei manchen Gemälden, vor allem im Bereich Abstrakt, nur zwei  Farben Verwendung. Doch generell erschaffst Du, liebe Kathrin eine bunte, strahlende Welt auf den Leinwänden. Lediglich eines der abstrakten Bilder hebt sich in der Betrachtung von allen Anderen ab. Es ist das in Pastelltönen gespachtelte Bild unter der experimentellen Verwendung zweier Sandpasten.

In der zweiten Kategorie, die Du mit Straßenengel und Häuser betitelt hast, begrüßt uns die Figur des Straßenengels vor wechselnden, unifarbenen Hintergründen. Der Straßenengel ist eine Bilder-Serie, die sich über mehrere Jahre erstreckt. Es handelt sich um immer denselben Engel, der mit der traditionellen Engelsvorstellung nur eines gemeinsam hat: Die Flügel.

Dein Straßenengel besitzt wildes, rotes Haar  und schaut in seinem zerschlissenen Gewand mit großen Augen interessiert  in die Welt. Auch Du betrachtest Dir gerne Deine Umwelt und könntest stundenlang in Cafes sitzen, um die Geschehnisse um Dich herum einzusaugen. Dabei hast Du immer das Interesse am  Besonderen, am Außergewöhnlichen, am Andersartigen. In diesem Sinn(e) gestaltest Du den Straßenengel symbolhaft mit unrasierten Beinen und einer Indianerfeder im Haar und beschreibst ihn als „Im Herzen gut, aber nicht perfekt, weil Perfektion vollkommen und  Vollkommenheit langweilig ist.

Später hast Du die einfarbigen Hintergründe des Straßenengels durch Häuser ersetzt.  Der Engel sitzt  jetzt  auf einer  Stufe vor einer Häuserlandschaft, hält ein Buch in der Hand und liest den Häusern etwas vor. Die Häuser, die den Menschen Schutz gewähren erhalten nun ihrerseits Zuwendung und Geborgenheit durch den Straßenengel und kuscheln sich wohlig aneinander. Ich denke dieses Bild steht exemplarisch für Dein Einfühlungsvermögen und Deine Fürsorglichkeit.

Nach diesem  Übergangsbild hast Du  in der Folge viele weitere Häuserdarstellungen in bunten, fröhlichen Farben gemalt.  Anstelle des Straßenengels beherrschen nun Menschen und Tiere die Szenerie. Die aktuellsten Versionen der Häuser-Serie, die wir heute auch hier bewundern dürfen, entstanden nach  unserem gemeinsamen Besuch in Amsterdam. Dein Bruder, der uns stadtkundig durch die alten Gassen leitete, zeigte uns die schiefen Grachtenhäuser. Die Kulisse und das bunte Treiben der Amsterdamer auf und neben den leicht schaukelnden Hausbooten waren für Dich eine willkommene Inspirationsquelle.

Mein persönliches Lieblingsbild finden wir in dem dritten großen Bereich Deiner Ausstellung, dem Bereich Menschen. Neben Portraits von hübschen haarigen Damen und einer Dame mit wundervollen Augen ist das Bild „Die zarte Befreiung“, das für die Ausstellung Freiheit entstand und das auch die Einladungskarten für diese Ausstellung ziert, fraglos eines Deiner herausragenden Werke. Es ist das zarte, verträumte Wesen, das die eigene Stachelhülle durchbricht und sich lächelnd befreit, auch wenn es dabei Verletzungen erleidet.

Liebe Kathrin, einer Deiner favorisierten Filme  trägt den Titel „Die fabelhafte Welt der Amelie“. Wie Amelie lebst auch Du in einer Traumwelt, die in vielen Deiner Gemälde ihren Ausdruck findet. Doch bei aller Verträumtheit, lebst Du Deine Träume, lässt sie wahr werden und findest den richtigen Weg Dich zu entfalten.

Der Philosoph Anton Wildgans, von dem Dein Lieblingszitat stammt, fand für Deine Einstellung die treffenden Worte:

"Der Künstler liebt alles um seiner Kunst willen, und alle menschlichen Gefühle erlebt er, um groß und reif und tief in seinen Werken sein zu können. Denn um ein Künstler zu sein, muss man zuerst ein Mensch sein und sich entfalten dürfen in der Liebe und im Leben."

Dem kann ich nur beipflichten. So wie ich Dich kennen und lieben gelernt habe, liebe Kathrin, bist  Du eine Vollblutkünstlerin. Ja, mehr noch, denn die Grundbedingung, das Menschsein mit seiner Achterbahn der Gefühle, würde bei Dir  für mehr als drei Künstlerkarieren ausreichen.

Ich wünsche Dir im Namen aller hier Anwesenden und auch im Namen derer, die heute nicht erscheinen konnten, eine erfolgreiche Ausstellung mit vielen Besuchern. Möge die Kunst zum Brote gehen, denn das ist Dein Erwerb.

Und denen, die immer fragen: „Ist das Kunst oder kann das weg?“,  denen rufe ich zu: “ Das ist Kunst und sie hat ihren Zweck.